Energieausweis muss noch aufholen

Für die Interessenten von Miet- oder Kaufimmobilien hat der Gesetzgeber 2009 den Energieausweis für Immobilien eingeführt. Nach 2 Jahren Erfahrungen mit dem Energieausweis zeigt sich die Erfolgsbilanz recht durchwachsen. Aus eigenen Erhebungen und einer zugehörigen Studie schließt der Immobilenverband West, dass der Energieausweis unter geringer Nachfrage und Akzeptanz leidet.

Seit 2009 müssen Eigentümer von Immobilien auf Verlangen vor der Vermietung den Energieausweis vorlegen. Für den Verkauf von Immobilien gilt eine Vorlagepflicht. Der Energieausweis kommt in 2 Varianten vor. Der Bedarfsausweis ähnelt einem Gutachten, das von einem autorisierten Sachverständigen erstellt wird. Er besichtigt die Immobilie und macht eine gründliche Bestandsaufnahme aller getroffenen Maßnahmen und Eigenschaften zur Energieeffizienz. Die 2. Variante ist der Verbrauchsausweis. Er wird von einem Sachverständigen erstellt, der die Verbrauchswerte der letzten 3 Jahre als Grundlage analysiert. Dazu erfragt er zusätzliche Daten über die Nutzung und die Personenanzahl im Haushalt. Daraus errechnet er die Verbrauchswerte und erstellt den Energiepass. Eine Besichtigung der Immobilie findet in diesem Fall nicht statt.

Bisher ist die Nachfrage nach dem Energieausweis schleppend. Nur etwa die Hälfte der potenziellen Immobilenkäufer fragen aktiv danach. Bei Mietinteressenten ist es sogar nur ca. ein Drittel. Die Fachleute der Immobilienwirtschaft sehen mehrere Gründe, warum sich das Instrument am Markt so schwerfällig verhält. Die Mieter scheuen die Frage nach den Unterlagen, weil sie nicht schon vor Mietbeginn als unbequem und pingelig erscheinen wollen. Sie befürchten häufig, den Zuschlag für die Wohnung nicht zu erhalten, wenn sie sich als kritisch darstellen. Bei Käufern ist der Energiepass wegen seiner vielen Zahlen unbeliebt. Sie verlassen sich auf die persönliche Besichtigung und den vorhandenen baulichen Zustand.

Foto (Thorben Wengert / pixelio.de)

Energieausweis selektiv genutzt (Foto: Thorben Wengert / pixelio.de)

Die Immobilienmakler verwenden in ihren Angeboten den Energieausweis nur selektiv. Oft sind die ermittelten Daten keine Kaufempfehlung wegen schlechter Energiebilanz. Dann wird das Papier lieber möglichst wenig erwähnt. Energieausweise mit positiver ökologischer und ökonomischer Bilanz werden dagegen gerne als verkaufsförderndes Werbeargument verwendet. Wünschenswert wäre für die Zukunft eine verbindliche Vorlagepflicht bei Vermietung oder Verkauf. Auch für bestehende Mietverhältnisse wäre die Maßnahme interessant und sinnvoll. Die Verbraucher haben sich beim Kauf von Elektrogeräten an die Energieausweise längst gewöhnt. Positiv wäre dies auch bei der Vermarktung von Immobilien.

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Eine Reaktion zu “Energieausweis muss noch aufholen”

  1. Planlosaktiv

    Hallo,
    ich wollte gern noch etwas ergänzen:
    “2. Variante ist der Verbrauchsausweis. Er wird von einem Sachverständigen erstellt, der die Verbrauchswerte der letzten 3 Jahre als Grundlage analysiert. Dazu erfragt er zusätzliche Daten über die Nutzung und die Personenanzahl im Haushalt. Daraus errechnet er die Verbrauchswerte und erstellt den Energiepass. Eine Besichtigung der Immobilie findet in diesem Fall nicht statt.”
    Im Verbrauchsausweiß kommt keinerlei Personenzahl zum Einsatz und auch keine Nutzung! Von daher ist der Verbrauchsausweis im Hochhaus mit einer sehr gemischten Nutzung – also von sich schon sehr ein guter Mittelwert an Verbrauchsverhalten. Bei einem EFH oder DHH sollte man da doch eher auf die Lebensgewohnheiten der Nutzer, Personenzahl usw. gucken – was bringt ein Verbrauchsausweiß von einem Haus, in dem eine ältere Dame gelebt hat, die aber nur ein Zimmer richtig beheizt hat?
    Von daher würde ich in solchen Fällen – den wohl teureren aber wohl aussagekräftigeren bedarfsabhängigen Ausweis bevorzugen – so war es ja eigentlich auch ursprünglich mal geplant.
    Dann zu der Käuferschaft – 50% fragen laut Verband schon? Bei mir sind es ungefähr 10 – 20 % und da meistens Käufer.
    Bin mal gespannt, ob der Schallschutzpass dann auch kommt.
    Ich denke, dass die Dena da sicherlich etwas ausarbeiten wird, die ja auch nun seit einiger Zeit das Effizienzhaussiegel ins Leben gerufen haben – es ist nur die Frage, ob es sich durchsetzten wird, da die Leute dafür bezahlen müssen.
    MFG
    Planlosaktiv
    http://www.vs-ing.de
    Makler & Ingenieur

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